1. Über den Autor Armin Rott

    Ein Versuch, mein Leben in ein paar Worten wieder zu geben…

    Wenn ich mit meiner Nichte und meinem Neffen durch die Kneipen zog, wurde ich von ihren Freunden oft gefragt, wie ich so jung geblieben bin. Ich sagte dann immer, das sei eine Entscheidung – und zwar eine, dich traf, als ich noch jung war. Da geht es auch nicht um knackiges Aussehen, oder immer modisch jung gekleidet zu sein, oder Freunde zu haben, die eine Generation jünger sind (ich habe Freunde in jedem Alter, von 8 bis 73 Jahren…). Und es ist eine Entscheidung, die man durchhalten muss.

    Es geht darum, dass man im Kopf frisch bleibt und sich nicht in die engen Kategorien von „so läuft das Leben und nicht anders“ hineinpressen lässt.

    Hier ein paar Stationen meines Lebens:
    Mit zehn Jahren schaffte ich erst im zweiten Anlauf die Prüfung für die Realschule. Mir war die Judo-Gelbgurt-Prüfung einfach wichtiger gewesen. Nach der Realschule ging’s aufs Technische Gymnasium, was eigentlich ein Missverständnis war: ich dachte, mein Vater hätte mir verboten, ein biologisch-dynamische Gärtnerlehre zu machen. Die 80er Jahre waren ja so was von Öko (und die Grünen noch nicht mal ‘ne Party).

    Nach der elften Klasse ging’s ein Jahr nach USA auf die High School, wo ich nur Einsen und Zweien hatte (A’s and B’s), außer in computerclass, da hatte ich ne Drei (Mathe!). Ich erzähle das hier nur, weil die meisten europäischen Austauschschüler überdurchschnittliche Noten hatten, trotz Fremdsprache – komisch eigentlich…

    Nach einem Monat dachte ich, und nach zweien träumte ich auf Englisch; und nach zehn Monaten wollte ich einfach nur noch heim. Die Amis sind ein gespaltenes Volk, mit einem andersfarbigen Jugendlichen befreundet zu sein war mir damals nicht möglich. „The greatest nation in the world“, (wie sie sich gerne selbst bezeichnen) wird bald untergehen, so, wie sie uns das in Europa seit den 80ern zu prophezeien pflegen.

    Dann die Zwölfer und 13er, wieder zurück am „TG“. Dann eine Berufsausbildung als Industriemechaniker (und fünf Semester Spanisch an der Volkshochschule). Zwei Monate Südspanien, wo ich nach einem Monat auch auf Spanisch dachte, das Träumen aber eher auf tagsüber verlegte – wie gerne wäre ich einfach da unten geblieben, in Granada, meiner zweiten Heimat!

    Dann kam die Zivi-Zeit, in der ich alten Menschen das Essen ins Haus brachte, den Rasen mähte und drei Mal die Woche einen mit 90 Jahren erst erblindeten Mann betreute und mit ihm spazieren ging. Wir unterhielten uns über Einstein und den Tod. Damals wurde mir klar, dass Alter kein Grund für Missverständnisse sein muss. Dieser Alte wurde mein Freund und ich geh manchmal noch an sein Grab und sage ihm hallo. (Kleiner Film- oder Buchtipp am Rande: Dienstags bei Morrie, von Mitch Albom).

    Der ursprüngliche Berufswunsch wandelte sich von Maschinenbauingenieur zu … „Spanisch mit irgendwas Vernünftigem“, also Volkswirtschaft (zu trocken, bitte nicht studieren!). Später dann, keine 20 Semester danach, schloss ich dann nicht mit VWL, sondern BWL ab, und darf mich jetzt Dipl. Kaufmann nennen, weil die Noten wohl reichten. Mit dem Diplom in der Tasche wusste ich dann endlich, was ich nicht werden oder machen wollte… das war im Jahre ‘00 und ich knapp 34.

    Mit Jobs hier und da schlug ich mich bis 2003 durch, bis ich dann in die psychosomatische Klinik Bad Grönenbach ging – ich kam einfach nicht mehr alleine vom Hanf los, also nahm ich mir professionelle Hilfe. Sechs Wochen intensive Psychotherapie retteten mir das Leben, das war wichtig!

    Danach kamen die „Ich-AG“, viele Seminare und zwei Industrieunternehmen, die meine Kunden wurden. ‘05 zog ich dann in die Schweiz, wo im Prinzip alles genauso ist, wie bei uns, aber eben doch irgendwie auch alles anders.
    ‘07 kam eine von vielen Krisen – allerdings die heftigste bis dahin und seither. Die „Frau meines Lebens“ entfernte sich, das restliche Geld auch, dafür aber inhalierte ich wieder diese alte verdammte, geliebte Versuchung, diese alte bekannte Sucht. Dann verließ ich wieder die geliebte Schweiz, mit einem tiefen Gefühl von Versagen.

    Ich bin der volle Spätentwickler, das ist kaum zu leugnen. Das hatte ich als Jugendlicher sogar mal in einem Astrologiebuch gelesen: der Krebs-Mann findet erst ab 40 zu sich. Ich konnte also nicht mal behaupten, sie hätten mich nicht gewarnt!

    Yo, und in den letzten vier Jahren, wieder zurück in Deutschland – in Balingen – ging es kontinuierlich bergauf – die beste Zeit meines Lebens (wenn man mal von der Dauer-Party in Tübingen absieht). Jetzt fühle ich mich endlich wohl, bei mir angekommen. Ein „Krebs-Mann“ über 40.

    Das coole an der ganzen Sache ist, ich hab überhaupt keinen Ruf zu verlieren, was auch einer der Gründe ist, warum ich das hier schreiben kann. (Ja, ich mache hier ein wenig Selbstdarstellung, aber das ist nur Mittel zum Zweck). Was andere über mich denken, ist mir zwar nicht bei allen egal, bei den meisten aber schon. Ich zeige hier meine Schwächen auch nicht, um Mitleid zu erregen oder mich als was Besonderes hinzustellen, sondern aus zwei anderen Gründen:

    - um denjenigen Lesern, die sowieso ablehnen werden, was ich zu sagen habe, einen ganz praktischen Grund zu geben, mich guten Gewissens abzulehnen, und…
    - um denjenigen von Euch, die irgendwie spüren, ahnen und vermuten, dass das, was ich sage, ihnen etwas für ihren Weg und ihre Entwicklung bringen könnte, um ihnen eine Tür aufzumachen, und sie (Euch) willkommen zu heißen, in einer Gedankenwelt, die Potenzial hat. Und die versucht, vollkommen ehrlich mit Euch zu sein.

    Ich glaube nicht an einen Generationenkonflikt, der ist nicht Teil meiner Realität. Was ich hingegen schon glaube, ist, dass fast alle Menschen irgendeine Art von Konflikt in sich und mit ihrer Umwelt haben. Doch auch das ist nur eine Frage der Entscheidung – wie das Jungbleiben auch, Scheiße, wie einfach alles im Leben!

    All diejenigen von Euch, die bis hierher gelesen haben, und den Blog namens WeThink! weiterlesen möchten, lade ich von Herzen ein, das Abenteuer des Lebens gemeinsam zu erkunden, und die Reise in die innere Freiheit ein Stück mit mir zu geh’n.

    Alles Liebe. Euer Armin.